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Kondome: Eine lange Geschichte


Die Idee, sich durch eine "Verpackung" um den Penis herum vor Krankhei-
ten und Infektionen, oder auch vor ungewollten Schwangerschaften, zu
schützen ist keine Erfindung der Neuzeit. Die Geschichte des "Kondoms"
läßt sich über Jahrtausende zurückverfolgen.

Frühgeschichte

Bereits 1200 v. Chr. sollen sich die alten Ägypter mit Kondomen vor
Krankheiten und Infektionen geschützt haben. Minos, König von Kreta,
soll Kondome aus Ziegenblasen verwendet haben. Obwohl im Laufe der
Jahrhunderte viele Materialien ausprobiert worden sind, kristallisierte
sich die Verwendung von Schafsdärmen und anderen tierischen Membra-
nen als wirkungsvollste Methode zur Kondom Herstellung heraus.
Die alten Japaner bevorzugten seinerzeit Lederhüllen, darüber hinaus
wurden Fischblasen, Tierdärme und auch Ölpapier verwendet.

16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert empfahl der italienische Arzt Gabrielle Fallopio die
Verwendung von getränkten Leinens%auml;cken als Schutz vor Krank-
heiten, besonders zum Schutz vor der ansteckenden Syphilis, die ame-
rikanische Seefahrer nach Europa mitbrachten.

17. Jahrhundert

Mitte des 17. Jahrhunderts empfahl der englische Dr. Condom, Hofarzt bei
Charles II. von England, die Verwendung von Hammeldärmen zur Infek-
tions- und Empfängnisverhütung. Dr. Condom stellte Schutzhüllen aus
Tierdärmen her und wurde für diese Idee und die Anwendungsempfeh-
lung zum Ritter geschlagen.

Diesem Dr. Condom wird auch die Namensgebung für das heutige Kondom
zugeschrieben. Eine andere Erkl/auml;rung für Namenherkunft sollen die
italienischen Worte "Condus" (= Beh/auml;ltnis) bzw. "con" (ital./lat.
"cum" = "mit") und "doma" (lat. "Domus" = "Haus" oder "Kuppel") sein.

18. Jahrundert

Sogar Casanova (1725-1798), der wohl berühmteste Liebhaber der Ge-
schichte, benutzte stets seine "redingote anglaise", seinen "englischen
Reitmantel" für den Liebesakt. Die zu dieser Zeit noch handgefertigten
Condome sollten vor allem vor der Syphilis schützen. Es gab sie in ein-
facheren Ausführungen, oder auch in Luxusversionen mit einem Futter
aus Samt und Seide. Diese Condome wurden mehrfach verwendet, ge-
reinigt und getrocknet. Falls nötig wurden sie mit Knochenleim und Tier-
därmen repariert. Einen wirklich hochwertigen Schutz boten diese
Condome wohl allerdings nicht.

19. Jahrhundert

Kautschuk als Naturprodukt war bereits lange bekannt. Doch erst durch
die bahnbrechende Entwicklung des Verfahrens der Vulkanisation durch
Charles Goodyear (1800 - 1860) im Jahre 1842 war es möglich gewor-
den, Gummi herzustellen, welches wasser-, wärme und kältefest, sowie
bruchstabil war. 1855 stellte Goodyear das erste Gummi - Condom vor.
Allerdings war es "zusamengeschweißt", besaß also eine Längsnaht und
war mit einer Wandstärke von 1 - 2 mm überhaupt nicht mit heutigen
Maßstäben (Wandstärke 0,05 - 0,07 mm) vergleichbar.
Das Verfahren der Vulkanisation, bei der das Rohgummi (Kautschuk)
mit Schwefel behandelt und intensiver Hitze ausgesetzt wird, machte
aus dem Naturstoff ein starkes und elastisches Material. Damit legte
Goodyear den Grundstein für die industrielle Entwicklung und Fertigung
von Autoreifen und eben auch von Kondomen.

20. Jahrhundert

Erst im Jahre 1912 perfektionierte Julius Formms die Kondomherstellung
in dem er Glaskolben in die flüssige Rohgummilösung eintauchte. Damit
konnte er hauchdünne Kondome mit Reservoir ohne Naht herstellen.
Eine wohl einhellige Ansicht in der Literatur bezeichnet dieses Herstel-
lungsverfahren als Sternstunde des heutigen Kondoms. Julius Fromms
stellte 1919 erstmals maschinell gefertigte Kondome, wie wir sie heute
kennen, vor. Damit waren Fromms Kondome die ersten Markenkondome,
die in groöer Stückzahl hergestellt worden sind.

Trotz der nunmehr unbestrittenen Wirksamkeit des Kondoms zum Schutz
vor Infektionen war der Verkauf und die Benutzung vielerorts bis Mitte
des 20. Jahrhunderts verboten beziehungsweise nur zum medizinischen
Gebrauch erlaubt. Selbst heute wird die Verwendung von Kondomen (zur
Empfängnisverhütung) von religiöser Seite vielfach abgelehnt.

Im 1. Weltkrieg gehörten Kondome sogar zur Standardausrüstung der
Soldaten. Die deutsche, die französiche und die britische Armee verteil-
ten zum Schutz vor Infektionen Kondome an ihre Soldaten. Die US-Armee
tat dies nicht; daher litten Angehörige dieser Armee viel häufiger an Ge-
schlechtskrankheiten.

Die anfänglichen Gummi - Kondome der verschiedenen Hersteller waren
alle recht ähnlich. Hauptunterscheidungsmerkmal war das heute durch-
gängig übliche Reservoir zur Aufnahme der Samenflässigkeit (Ejakulat).
Eine frühe Kondom-Variante, die nur die Eichel bedeckte (die sog. short
cap), scheiterte bei der Reduzierung von Schwangerschaften und Infek-
tionen.

1981 wurde das erste deutsche Qualitätssiegel für Kondome erteilt, das
DLF-Gütesiegel (Deutsche Latex-Forschungs- und Entwicklungsgemein-
schaft).

Heute gibt es Kondome in allen möglichen Größen, Formen, Farben und
Geschmacksrichtungen. Kondome haben sich als wirkungsvolles Verhü-
tungsmittel durchgesetzt. Bis heute ist das Kondom das einzige Verhü-
tungsmittel, dass sowohl vor ungewollten Schwangerschaften als auch
vor Krankheiten schützt. Mit dem Bekanntwerden, beziehungsweise mit
der Veröffentlichung der Ausbreitung des HIV-Virus erlangte das Kondom
eine neue zentrale Bedeutung beim geschützten Geschlechtsverkehr.

Die meisten Kondome sind aus Naturkautschuk - Latex hergestellt. Auf-
grund von Latexallergien, die seit einigen Jahren bei vielen Menschen
auftreten, wurde die Entwicklung von Alternativen notwendig. Daher gibt
es heute auch schon Kondome aus Polyethylen (PE) und Polyurethan
(PUR), also Latexfeie Kondome, die ebenso wirksam sein sollen, wie die
herkömmlichen Latex-Kondome. Sie sollen sogar noch stabiler sein. Da-
rüber hinaus sind sie mit fett-/ ölhaltigen Gleitmitteln einsetzbar.

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